{"id":10185,"date":"2026-03-03T15:25:29","date_gmt":"2026-03-03T15:25:29","guid":{"rendered":"https:\/\/grapebreed4ipm.com\/?p=10185"},"modified":"2026-03-03T15:25:40","modified_gmt":"2026-03-03T15:25:40","slug":"warum-sind-piwis-so-unbeliebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/grapebreed4ipm.com\/de\/warum-sind-piwis-so-unbeliebt\/","title":{"rendered":"Warum sind Piwis so unbeliebt?"},"content":{"rendered":"<p>Von Kathrin Schnurrer<\/p>\n<p><strong>Neustadt. \u201eEin Teil des Problems ist, dass Menschen sich lieber mit Problemen befassen, anstatt nach L\u00f6sungen zu suchen.\u201c Das sagt Miriam J\u00e4ger. Es ist ein Satz, der gut zu den meisten Situationen im Leben passt. Die Wissenschaftlerin Miriam J\u00e4ger und ihre Kollegin Katharina Kleiner befassen sich aber beruflich nicht mit Alltagsproblemen, sondern mit einer Frage, die f\u00fcr den Weinbau der Zukunft von Bedeutung ist: Wie kann man Piwi-Weine beliebter machen?<\/strong><\/p>\n<p>Piwi, das ist eine Abk\u00fcrzung f\u00fcr pilzwiderstandsf\u00e4hige Rebsorten, bei deren Z\u00fcchtung darauf geachtet wurde, dass sie gegen Pilzkrankheiten wie Echten und Falschen Mehltau und Schwarzf\u00e4ule weitgehend resistent sind. Daf\u00fcr werden klassische Rebsorten mit robusten Wildreben gekreuzt. Man muss diese Reben \u2013 dazu geh\u00f6ren beispielsweise Sauvignac, Solaris, Muscaris, Souvignier Gris oder Satin Noir \u2013 weniger spritzen (zwei- bis viermal anstatt sieben- bis zehnmal pro Jahr), spart damit Geld und schont die Umwelt. Aber irgendwie f\u00fchren die Piwis auch ein Stiefkind-Dasein, wie J\u00e4ger beobachtet hat. Kleiner sagt: \u201eSelbst Winzer, die Piwis anbauen, tun sich schwer mit der Vermarktung.\u201c J\u00e4ger und Kleiner arbeiten daran, dass die \u201eneuen robusten Rebsorten\u201c \u2013 wie sie sie lieber nennen \u2013 insgesamt ein besseres Standing bekommen. Und zwar mit Partnern aus Forschungseinrichtungen und Hochschulen aus ganze Europa. Die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen am Lehrstuhl f\u00fcr Nachhaltiges Unternehmertum am Weincampus in Neustadt sind Teil eines Forschungsprojektes, bei dem Wissenschaftler aus Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich, Italien, Spanien, Serbien und der Schweiz an der \u201eF\u00f6rderung eines nachhaltigen Weinbaus in einer sich ver\u00e4ndernden Welt mit pilzwiderstandsf\u00e4higen Rebsorten\u201c arbeiten. \u201eGrapeBreed4IPM\u201c \u2013 so hei\u00dft das Projekt \u2013 ist eine auf vier Jahre angelegte Untersuchung mit 21 Partnern \u2013 wie dem franz\u00f6sischen Institut Francais de la Vigne et du Vin oder der spanischen Asociaci\u00f3n Plataforma Tecnol\u00f3gica del Vino de Espa\u00f1a, dem schweizerischen Forschungsinstitut f\u00fcr Biologischen Landbau oder dem deutschen Julius-K\u00fchn-Institut. Die Europ\u00e4ische Union stellt f\u00fcnf Millionen Euro bereit, die Schweiz zus\u00e4tzlich 600.000 Euro. \u201eZiel des Projekts ist es, robuste Rebsorten weiterzuentwickeln und die Bedingungen f\u00fcr ihre erfolgreiche Einf\u00fchrung in den Markt zu analysieren\u201c, hei\u00dft es in einer Beschreibung. Die Europ\u00e4ische Union will, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringert werde, Piwis b\u00f6ten sich hierf\u00fcr an. Und weiter: \u201eWenn konventionelle Pflanzenschutzmittel weiter eingeschr\u00e4nkt werden, ohne praktikable Alternativen bereitzustellen, k\u00f6nnte ein erheblicher Teil der europ\u00e4ischen Weinberge gef\u00e4hrdet sein.\u201c Die beiden Pf\u00e4lzer Wissenschaftlerinnen haben im Januar und Februar ihre Koffer gepackt und in den Teilnehmerl\u00e4ndern Workshops abgehalten, bei denen Menschen aus Weinbaupraxis, Forschung, Z\u00fcchtung, Politik, Verb\u00e4nden und Handel Strategien erarbeitet haben, um die Piwis popul\u00e4rer zu machen. Eines dieser Treffen fand in Ludwigshafen statt, dem Standort der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft (HWG). Der Neustadter Weincampus \u2013 das sei am Rande erw\u00e4hnt \u2013 ist eine gemeinsame Einrichtung der HWG Ludwigshafen, der Hochschule Kaiserslautern, der Technischen Hochschule Bingen und des Dienstleistungszentrums L\u00e4ndlicher Raum in Neustadt. Ein Dutzend Vertreter sammelten also zuletzt in Ludwigshafen Ideen f\u00fcr eine \u201ePiwi Future\u201c. Ein Beispiel, das ausgearbeitet wurde, ist es, eine Piwi-Sektlinie zu entwickeln, die gezielt junge Zielgruppen anspricht. Oder: Eine Piwi-Allianz zu gr\u00fcnden mit \u201eBotschaftern\u201c, bestehend aus Winzern, Konsumenten und H\u00e4ndlern. Oder: Piwi nicht als \u201eSonderkategorie\u201c zu vermarkten, sondern bei der Vermarktung mit den traditionellen Rebsorten gleichzustellen. Es gehe beim Weinbau der Zukunft um mehr als um die Z\u00fcchtung von neuen Rebsorten oder die Weiterentwicklung von bestehenden, sagt Kleiner, und nennt ein Manko der Vergangenheit: \u201eEs wurde viel gez\u00fcchtet, ohne sich mit dem Konsumenten zu befassen.\u201c Der Konsument \u2013 den wollen die Forscherinnen nun auch besonders in den Blick nehmen und haben eine Umfrage ausgearbeitet, bei der sie mehr \u00fcber die Kriterien der Leute f\u00fcr den Wein-Einkauf erfahren wollen. Insgesamt wird das EU-Projekt, das 2028 abgeschlossen sein soll, von sieben Gruppen bearbeitet \u2013 sie haben alle ihre eigenen Arbeitspakete. Die beiden Pf\u00e4lzerinnen k\u00fcmmern sich um den Bereich \u201eMitgestaltung\u201c, dazu geh\u00f6ren Empfehlungen f\u00fcr internationale Marktstrategien, andere Forscher befassen sich mit \u201eMolekularen Grundlagen der Krankheitsresistenz\u201c oder \u201eKreuzungsz\u00fcchtung und neuen genomische Techniken\u201c. Es ist oft so, dass Piwis in Cuv\u00e9es verarbeitet werden, also in Weinen, die verschiedene Traubensorten enthalten. Kleiner nennt ein Beispiel aus Frankreich: \u201eVoltis darf als Cuv\u00e9e-Partner in den Champagner rein.\u201c Doch eigentlich, findet sie, sollten die Weine eigenst\u00e4ndig bestehen und unter ihrem Namen verkauft \u2013 und nicht \u201eversteckt\u201c \u2013 werden: \u201eEine Cuv\u00e9e ist f\u00fcr mich nicht die L\u00f6sung.\u201c In Deutschland und der Schweiz werden Piwis auf rund 3,5 Prozent der Rebfl\u00e4che angebaut, in Spanien auf unter einem Prozent, in \u00d6sterreich auf 2 Prozent. Es ist also noch viel Luft nach oben.<\/p>\n<p><strong>Umfrage<\/strong><\/p>\n<p>Wer sich an der Umfrage beteiligen will, findet diese unter www.weincampus-neustadt.de, Stichworte: Forschung, BWL, Professor Marc Dre\u00dfler, Forschungsprojekte, GrapeBreed4IPM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Kathrin Schnurrer Neustadt. \u201eEin Teil des Problems ist, dass Menschen sich lieber mit Problemen befassen, anstatt nach L\u00f6sungen zu suchen.\u201c Das sagt Miriam J\u00e4ger. Es ist ein Satz, der gut zu den meisten Situationen im Leben passt. 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